VORSCHLAG ZUR LÖSUNG DER KRISE UM DAS "SANDHÄUSCHEN“ IN AACHEN-LAURENSBERG

Wie aus den vorangegangenen Medien-Berichten zu erfahren war, ist das ‚Sandhäuschen“ als Kommunikations- und Begegnungszentrum für den Stadtbezirk Laurensberg unverzichtbar. Ohne dieses Zentrum stünde den Laurensbergern kein größerer Saal mehr für Veranstaltungen zur Verfügung. Seit Schließung des Sandhäuschens vor ca. 2 Jahren haben die Laurensberger Heimatfreunde (LHF) mit z.Zt. über 300 Mitgliedern erhebliche Schwierigkeiten, Räume für die monatlichen meist gut besuchten Veranstaltungen zu finden und sehen sich bereits gezwungen, demnächst in andere Aachener Stadtbezirke oder in die benachbarten Niederlande auszuweichen,

Durch eine Überbauung des zum „Sandhauschen“ gehörenden, großen Parkplatzes mit 40-60 Einfamilienhäusern würde zudem die Pfarrkirche St. Laurentius einen Grossteil ihrer Parkplätze verlieren; dies würde abgesehen von den Umweltbelastungen zu einem schlimmeren Verkehrschaos führen wie es durch den Bau der beiden großen Bürogebäude au der Schurzelter Strasse in Aachen-Laurensberg bereits geschehen ist.

In der Diskussion um den Erhalt und die Wiederbelebung des Laurensberger Kommunikations- und Begegnungszentrum Sandhäuschen geht es primär um die Finanzierung des notwendigen Investitions-Staus aus den letzten 32 Jahren - das jetzige Gebäude wurde 1974 eingeweiht- und die damit verbundenen, notwendigen Renovierungsarbeiten.

Die rot-grüne Mehrheit hat mit Unterstützung der FDP in der Bezirksvertretung Aachen-Laurensberg eine Beteiligung an dieser Finanzierung in Höhe von ca. 200.000,- € seitens der Eigentümerin - der Stadt Aachen- abgelehnt. Stattdessen soll der künftige Pächter diesen Betrag aufbringen. Diese unzumutbare und unübliche Forderung einer Immobilien-Eigentümerin führte dazu daß - wie mir von dem zuständigen Mitarbeiter des Gebäudemanagements der Stadt Aachen bestätigt wurde - „dutzende Pachtinteressenten“ in den letzten beiden Jahren absprangen.

Um aus dieser Zwickmühle herauszukommen, möchte ich folgende Lösung vorschlagen:

Aus dem Budget der vom 20. August bis 3. Sept. 2006 stattfindenden Weltreiterspiele (das Budget soll lt. Medienberichten mehr als 30 Mio. EUR, die Rückflüsse in die Aachener Region sollen mehr als 150 Mio. €  betragen) wird der vergleichsweise kleine Betrag on 200.000,- EUR in Erinnerung an die Gründer und die Gründungsstätte des Aachen-Laurensberger Rennvereins ALRV zur Verfügung gestellt.

Der damalige Laurensberger Rennverein - heute ALRV- wurde 1898 im „Sandhäuschen“ gegründet.
Die ersten Pferde-Rennen, deshalb trägt der ALRV heute immer noch den Begriff „Rennverein“ im Namen, fanden unterhalb des „Sandhäuschens“ statt, dort, wo sich heute der Sportplatz des Schulzentrums befindet.

Ohne die Gründung im ‚Sandhäuschen“ gäbe es heute keinen ALRV und ohne ALRV gäbe es heute weder das CHIO noch die Weltreiterspiele!

Es ist vor allem dem unvergeßlichen Helmut A. Crous zu verdanken, dass uns heute über die Entstehungsgeschichte des ALRV so viele Informationen vorliegen. Crous - selbst Mitglied der LHF - recherchierte mehrere Jahrzehnte intensiv in Sachen Ursprünge des ALRV und förderte Erstaunliches zu Tage. Die LHF organisierten mit diesem und weiterem Material seit 1990 - mit Unterstützung des ALRV- vier Ausstellungen zu den Anfängen des Vereins. Die Ausstellungen fanden in der Laurensberger Filiale der Sparkasse Aachen, während des CHIO im dortigen Ladendorf, bei BMW Mikus sowie im Pferdemuseum in Spa, Belgien, statt.

Unter Federführung der damaligen Schriftführerin der LHF, Frau Dr. Doris Beaujean, entstand das vielbeachtete und oft nachgefragte Heftchen ‚Die Anfänge der Reiterei in Laurensberg - Die Geschichte des Laurensberger Rennvereins, Vorläufer des Aachen-Laurensberger Rennvereins‘.

Zum 100. Jubiläum des ALRV im Jahre 1998 spendeten die Mitglieder der LHF für 2.500,- DM einen Baum -eine Linde- für den „Garten Eden der Pferde“ auf dem CHIO-Gelände. Die Linde wurde hinter der Haupttribüne gepflanzt und im Beisein des ALRV Präsidenten Konsul Klaus Pavel eingeweiht. Sie soll in Dankbarkeit an die Laurensberger Gründer des ALRV erinnern.

Aus den Crous’chen Recherchen geht vor allem viel über die Vitae der Gründungsmitglieder hervor:

So ist überliefert, dass der Gründer des Laurensberger Rennvereins, der Laurensberger Ehrenbürgermeister Arnold Deden mit seiner Frau Mathilde, geb. Zurhelle, Ende des 19. Jhd. aus ihrem Privatvermögen 20.000,- Goldmark (heutiger Wert; ca. 450.000,- EUR) für den Neubau des damaligen -1970 leider abgerissenen - „Sandhäuschens" zur Verfügung stellte. Die Familie Deden gehörte im 19. Jh.- durch erfolgreich betriebene Tuchfabrikation- zu den größten Steuerzahlern der Stadt Aachen.

Erster Präsident des Laurensherger Rennvereins war Gustav Rensing. Er betrieb damals auf dem zum Deden’schen Besitz gehörenden Gut Pannhaus in Aachen Laurensberg eine Reitschule, die bereits über eine überdachte Reithalle -einen sog. Tattersall- verfügte. Gustav Rensing ist es zu verdanken, dass der ALRV heute über ein so großzügiges Gelände in der Soers verfügen kann.
Um 1920 setzte Rensing die Anpachtung des heutigen CHIO-Geländes gegen viele Widerstände durch und wurde anschließend heftig kritisiert und für größenwahnsinnig erklärt. Heute kann man ihm für diese mutige und visionäre Entscheidung nur dankbar sein.

Auch der damalige Wirt des „Sandhäuschens“, Mathias Schröder, gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Laurensberger Rennvereins. Wie in der Familie Schröder - die über mehrere Generationen das ‚Sandhäuschen‘ erfolgreich als Eigentümer- und Wirtsfamilie betrieb- überliefert wurde, waren die jährlichen Pferderennen am „Sandhäuschen‘ ein ansehnliches Geschäft. Schon damals kamen viele prominente Besucher von nah und fern zu den Laurensberger Rennen, konsumierten reichlich und hinterließen so großzügige Trinkgelder, dass Schröder sie anschließend mit der Schubkarre“ zur Bank fahren konnte.

Ein weiteres Gründungs-Mitglied war Josef Feiter, Eigentümer des unweit des „Sandhäuschens“ gelegenen und heute noch bestehenden Rittergutes Bergerhochkirchen in Aachen-Laurensberg. Feiter war nicht nur erfolgreicher Pferdezüchter, sondern auch - wie sein Freund und Nachbar Arnold Deden- häufiger und gern gesehener Gast im ‚Sandhäuschen“. Damit trug er zur über hundertjährigen Blüte dieser Gaststätte bei.

Weitere Gründungsmitglieder waren die Gebrüder Josef und Heinrich Zaunbrecher. Heinrich Zaunbrecher amtierte - nach dem Tode Arnold Dedens im Jahre 1908- mehr als 30 Jahre lang als Bürgermeister der Gemeinde Laurensberg.

Ferner gehörten mehrere Landwirte zu den Gründern - unter ihnen Franz Quadflieg von dem neben dem „Sandhäuschen“ befindlichen Gut Barriere. Dieser Hof wird seit über 100 Jahren - heute in sechster Generation immer noch von der Familie Quadflieg bewirtschaftet.

Jüngstes Gründungs-Mitglied des Laurensberger Rennvereins war der spätere Fabrikant und Präsident Hubert Wienen. Ihm ist es zu verdanken, daß das Aachener Reitturnier von den Machthabern in den 30-er Jahren nicht als Propagandaplattform nach Berlin verlegt wurde. Für seinen unglaublichen Mut und Kampfeswillen zur Erhaltung des Aachener Reitturniers in Aachen erhielt Wienen später den anerkennenden Beinamen „der Löwe von Aachen“.

Zu den weiteren Gründungs-Mitgliedern des ALR,V zählten z.B. Brauerei- und Druckerei-Besitzer, weitere Fabrikanten, Pferdezüchter und Tierärzte. Daraus kann man ersehen, dass die Gründer-Gemeinschaft recht vielseitig und offen ausgerichtet war. So war sie in der Lage, eigenständig und ohne fremde Hilfe die Pferderennen zu finanzieren und durchzuführen. Bereits in den Anfängen waren die jährlichen Veranstaltungen am „Sandhäuschen“ ein Volksfest, das auch von prominenten Persönlichkeiten besucht wurde.

Die Idee, beim kommenden CHIO eine Foto-Ausstellung zu „50 Jahre CHIO“ zu veranstalten, finde ich sehr gut. Allerdings sei den für diese Ausstellung Verantwortlichen empfohlen, neben den vergangenen 50 Jahren auch die ersten 58 Jahre seit Vereins-Gründung zu erwähnen, und vor alIem bei den auswärtigen Mitgliedern nicht den Eindruck zu erwecken, dass der ALRV erst seit 50 Jahren besteht. Schließlich ist der ALRV bereits 108 Jahre alt (1898 -2006). Die LHF sind gerne zu einer Zusammenarbeit in dieser Sache bereit.

In oben beschriebenen Sinne hielte ich es für eine schöne Geste im Gedenken an die Gründer des ALRV, wenn aus dem millionenschweren Budget für die Weltreiterspiele der vergleichsweise kleine Betrag von 200.000,- €  für den Erhalt und die Wiederbelebung der ALRV- Gründungsstätte „Sandhäuschen“ zur Verfügung gestellt würde. Die Aachener Bürger würden dies zu würdigen wissen.

Schließen möchte ich mit dem weisen Spruch des chinesischen Philosophen Konfuzius (551- 479v.Chr):
„ Um zu wissen, wohin man geht, soll man erst einmal feststellen, woher man kommt! “

Diese Werte sollten sich nicht nur die Entscheidungsträger der Stadt Aachen und des ALRV, sondern jedes Unternehmen und jeder vernünftige Bürger auf ihre Fahnen schreiben. Dann wäre uns allen mit ziemlicher Sicherheit diese momentane Krise um das „Sandhäuschen“ erspart geblieben.

Dr. Hermann-Victor Johnen,



San Francisco, 25. Januar 2006
Vorsitzender der Laurensberger Heimatfreunde
und Mitglied der Bürgeraktion „Sandhäuschen“
z.Zt. San Francisco/ USA
Tel.: 0171-466 3897
email: hvjohnen@uni-muenster.de


P.S. ich bin ausdrücklich damit einverstanden, dass obige Ausführungen an geeigneter Stelle vorgetragen bzw. veröffentlicht werden

Die aktuelle Situation bzgl. des „Sandhäuschens“ kann jederzeit unter
www. sandhaeuschen-ja.de im Internet abgerufen werden.