Riskantes Prestigeobjekt

Zum Thema äußert sich Jens Gattermann:

Als Bürger kann man eigentlich erwarten, dass in Zeiten leerer Kassen die zur Verfügung stehenden
Haushalts- bzw. Steuermittel nach ökonomischen und sozialpolitischen Gesichtspunkten sinnvoll eingesetzt werden,
ohne dabei eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte aus dem Blick zu verlieren.

Dennoch scheinen einige Politiker auch jetzt nicht von finanziell riskanten Prestigeobjekten wie dem Bauhaus Europa
lassen zu können, dessen Idee sicherlich interessant ist. Laut Zeitungsberichten wird auf die Stadt ein Eigenanteil von
10 Millionen Euro für die Baukosten und weitere 2 Millionen Euro pro Jahr für den Unterhalt zukommen.
Ob es bei diesen Summen bleibt, sei dahingestellt. Die einmaligen Zuschüsse von 21 Millionen Euro, mit der das
Land NRW im Rahmen der Euregionale das Projekt fördern möchte, können nicht über die finanziellen Risiken für
die Stadt Aachen hinweg täuschen. Es sei angemerkt, dass Subventionsruinen in Städten und Gemeinden in der gesamten
Republik besichtigt werden können. Die Lasten aus Eigenanteil und Unterhalt wurde seitens der Gemeinden vielfach unterschätzt.

Das finanzielle Engagement der Stadt Aachen für das Bauhaus Europa sollte auch um so kritischer gewertet werden, da für
wichtige Einrichtungen wie Kindergärten und -horte kaum noch Gelder zur Verfügung stehen. Selbst für defekte Schutzgitter
an Schulwegen steht kein Geld mehr zur Verfügung. Das Sandhäuschen in Laurensberg soll abgerissen und verkauft werden,
obwohl die Bausubstanz in gutem Zustand ist. Weitere Beispiele kann der aufmerksame Zeitungsleser zuhauf feststellen.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass offensichtlich an den sprichwörtlichen Ecken und Enden gespart, bzw. notwendige Gelder
abgezogen werden, um ein in seiner kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung zumindest fragliches Projekt finanzieren zu können.

Es sollte deutlich gesagt werden, wer das Bauhaus will, für den sind eine kinderfreundliche Stadt und ein funktionierendes Gemeinwesen,
trotz anders lautender Lippenbekenntnisse, offensichtlich zweitrangig