Bürgeraktion Sandhäuschen
Clemens Gläßer, Am Pannhaus 9, 52072 Aachen,
Dr. Hermann-V. Johnen, Rathausstrasse 41 A, 52072 Aachen
Prof. Dr. Werner Kasig, Am Beulardstein 71a, 52072 Aachen
Walter Lennartz, Rathaus Straße 22, 52072 Aachen
Walter Scheidt, Schlottfelder Straße 4, 52074 Aachen
Klaus Schmalen, Brunnenweg 7, 52074 Aachen


Aachen, den 18.10.05

Herrn Dr. Linden
Oberbürgermeister der Stadt Aachen

CDU-Fraktion im Rat der Stadt Aachen
SPD-Fraktion im Rat der Stadt Aachen
Fraktion der Grünen im Rat der Stadt Aachen
FDP-Fraktion im Rat der Stadt Aachen
GGSO, Herrn Marc Treude
PDS, Herrn Andreas Müller
UWG, Herrn Horst Schnitzler

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Linden,

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den nächsten Wochen wird, soweit wir unterrichtet sind, in verschiedenen Ausschüssen des Rates und im Rat selbst über den Fortbestand des
Sandhäuschens in Laurensberg entschieden. Wir gehen davon aus, dass die Mitglieder des Rates zumindest aus der Presse um die Problematik des Hauses
Kenntnis haben. Vor den nun anstehenden entscheidenden Sitzungen in den nächsten Wochen, möchten wir auf diesem Wege den Ratsmitgliedern unserer
Meinung Ausdruck geben. Die Fraktionen in der Bezirksvertretung haben wir in der Vergangenheit ausführlich informiert und unsere Stellungnahme mitgeteilt.

Wir möchten uns nunmehr mit einem dringenden Appell an Sie und an die Mitglieder des Rates wenden, um unsere Argumente in Ihre Entscheidung
einfließen zu lassen.Es wird Ihnen bekannt sein, dass das Sandhäuschen eine seit Ende des 19. Jahrhunderts bestehende und bereits 1842 urkundlich
erstmals erwähnte alte Einrichtung in Laurensberg ist. Es war in vielen Jahrzehnten Mittelpunkt der gesellschaftlichen Kontakte und des  Vereinslebens.
Es hat somit einen bedeutenden Symbolcharakter für die Laurensberger.  In der Diskussion um den Leitplan zur Entwicklung von Laurensberg am
01.12.2004 wurde das wiederholt festgestellt.

Diese Meinung wurde nach der Eingemeindung 1972 auch von der Stadt Aachen unterstrichen, indem sie die Planungen der Gemeinde Laurensberg  und den
Neubau über-nahm, wofür die Gemeinde Laurensberg den größten Teil der Investitionssumme durch angesparte Rücklagen zur Verfügung stellte. Nach der
Einweihung Ende 1975 wurde das neue Sandhäuschen von der Bevölkerung, den Vereinen sowohl aus Laurensberg als auch aus der näheren Umgebung
und sogar aus dem gesamten Stadtgebiet sehr positiv aufgenommen.

Wir sind gern bereit, Ihnen zu gegebener Zeit eine Chronologie über das Sandhäuschen und eine Liste der uns bekannten Veranstaltungen zukommen
zulassen, aus der hervorgeht, dass sowohl der Restaurationsbetrieb als auch die verschiedenen Sääle großes Interesse fanden. Die Einrichtung war solange
beliebt und geschätzt, bis leider im Mai 2003 der langjährige Pächter das Haus verließ und eine Zwischenlösung am personellen Unvermögen scheiterte. Wir
wollen in diesem Schreiben bewusst nicht auf vergangene Nachlässigkeiten eingehen.

Die zur Zeit geführte Diskussion zum Sandhäuschen muss vor allem vor dem Hintergrund des Zustandes des Sandhäuschens, das nunmehr seit mehr als
zwei Jahren leer steht und vor sich her dümpelt, geführt werden. Dabei spielt der Zustand des Hauses allgemein und vor allem in Zielrichtung Verkauf oder
Verpachtung eine wesentliche Rolle.

Es wird müßig sein, jetzt im einzelnen darauf einzugehen, wieso es soweit kommen konnte. Fest steht allerdings, dass die Stadt als Eigentümer des Hauses
und nicht zuletzt auch als Verwalter des Vermögens der Bürger und in diesem Fall insbesondere der Laurensberger Bevölkerung, fahrlässig gehandelt hat.
Fahrlässig durch die Auswahl der letzten Pächter und durch eine jahrelang andauernde schlechte und desinteressierte Kontrolle der eigenen Anlage, der
Pachteinnahmen oder der notwendigen Trennung vom Pächter.

Die jetzigen Überlegungen, das „Sandhäuschen“ möglicherweise abzubrechen, sehen wir als Verrat gegenüber der Laurensberger Bevölkerung.

Wir sehen durchaus Möglichkeiten zur Weiterführung der Anlage. Auf Grund des Zeitungsartikels vom 08.04.2005 meldete sich am gleichen Tag des
Erscheinens bei der Bürgeraktion ein Interessent, der das Sandhäuschen pachten möchte und der sich, soweit wir informiert sind, auch bei der Stadt
gemeldet hat. Er ist nach seinen Aussagen in der Lage, das fehlende Mobiliar zur Verfügung zu stellen und will auch notwendige Investitionen durchführen.
Erst etwa Mitte des Monats August bekam der Interessent von der Verwaltung die Möglichkeit, das Gebäude persönlich in Augenschein zu nehmen.
Wenn 4 Monate ins Land gehen, bis es zu einem ernsten Gespräch und einer Besichtigung des Objektes kommt, dann zeigt das mehr als deutlich,  mit
welchem Interesse und Engagement Verwaltung und, wir müssen leider auch sagen die politische Vertretung, an die Sache herangehen.

Ein anderes Konzept hat ein zweiter Interessent vorgelegt, der seine Vorstellungen bereits seit über einem halben Jahr formuliert hat und genauso
schleppend und hinhaltend behandelt wird wie im oben geschilderten Fall. Er ist bereit, das Sandhäuschen zu kaufen. Er hat weiterhin Überlegungen
angestellt, einen Teil der heutigen Nutzung beizubehalten. So kann z. B. der Kindergarten weiter Bestand haben und der vorhandene Saal einer gemischten
Nutzung zugeführt werden, so dass auch der ursprüngliche Zweck weiter erfüllt werden kann. Die Einzelheiten der Überlegungen wollen wir hier nicht weiter
ausführen,sie sind jedoch der Verwaltung bekannt und können Ihnen auch noch persönlich vorgestellt werden.

Uns ist nicht bekannt, ob nicht noch weitere Angebote vorliegen, die wir nicht kennen und die genauso schleppend behandelt werden.

Bei den beiden vorliegenden Angeboten liegen möglicherweise noch z. T.  unterschiedliche Auffassungen über Pachthöhe oder  Kaufpreis zwischen der
Verwaltung und den Bewerbern vor. Man hat jedoch den Verdacht, dass die Verwaltung nicht zielgerichtet auf die Erhaltung der Anlage verhandelt,
sondern durch nicht angemessene Vorstellungen auf die Schließung und Abbruch hinarbeitet. Vor allem wird der heutige bauliche Zustand des Gebäudes
und der Außenanlage bei der Festlegung des Kaufpreises oder der Pachtgebühren nicht in die Überlegungen einbezogen. Der Zustand des Hauses ist jedoch
nicht zuletzt auf das unverantwortliche Verhalten der Verwaltung und der Politiker in Sachen Sand-häuschen zurückzuführen, so dass wir heute über
einProjekt sprechen, das in nicht besonders gutem Zustand ist. Neben der allgemeinen Vernachlässigung und schlechten Substanzpflege sind noch nach
Auszug des letzten Pächters z.B. Inventar der Küche und der Kegelbahn rücksichtslos mit erheblichen Schäden herausgerissen worden. Es wäre im Sinne
des Eigentümers, sprich der Stadt Aachen, nicht uninteressant zu prüfen, inwieweit Eigentumsrechte bei dieser Aktion verletzt wurden.

Bei dem Sandhäuschen geht es jedoch um eine viel weitergehende Frage als  z.Zt.  von der Verwaltung und möglicherweise von einigen Politikern gesehen
wird. Das Sandhäuschen ist nach der Neugliederung des Aachener Raumes und der damit verbundenen Eingemeindung der ehemaligen Gemeinde
Laurensberg errichtet worden. In den getrennten Vereinbarungen zwischen den einzelnen Fraktionen des Rates der Stadt Aachen und der Gemeinde
Laurensberg sowie den Verwaltungen der beiden Gemeinden, deren Inhalt schließlich in die Beschlüsse der beiden Ratsgremien zur Eingemeindung einfloss,
ist neben anderen Inhalten das Gemeindezentrum zugesichert und auch verwirklicht worden. Es muss auch in  Erinnerung gebracht werden, dass die
Gemeinde Laurensberg den größten Teil der Investitionssumme als Eigenanteil für diese Maßnahme in den Vermögenshaushalt eingebracht hat.

In vielen Jahren hat sich das Konzept des Sandhäuschens, das nach der Eingemeindung von der Stadtverwaltung noch einmal überarbeitet wurde, als richtig
und gut erwiesen. Das Restaurant und die Zusatzräume haben einen Zuschnitt, der den Bedürfnissen der Interessierten entspricht. Der Saal hat eine
Größenordnung, die besonders für mittelgroße Veranstaltungen gut geeignet ist. So wurde er nicht nur von den Laurensberger Vereinen oder Gruppen
benutzt, sondern selbstverständlich von den benachbarten Bezirken und darüber hinaus.

So tagten beispielhaft in Laurensberg fast regelmäßig Alemannia Aachen, verschiedene Pfarreien aus der Stadt Aachen, der Verein der
Amateurfilmer, Hundezuchtvereine, der Richtericher Karnevalsverein, wissenschaftliche Vereinigungen, Vortagsveranstaltungen der
Laurensberger Heimatfreunde, der St. Laurenstiusschützen, Verkaufsveranstal-tungen und viele mehr.
Darüber hinaus gab es viele private
Veranstaltungen (z.B. Hochzeitsfeiern und Beerdigungskaffee).
Es ist bedauerlich, dass dieser Tatbestand in der politischen Diskussion zu
wenig oder gar nicht angesprochen wird
.

Wenn das Sandhäuschen in den letzten Jahren aus oben schon beschriebenen Gründen nicht mehr so angenommen wurde, wie das mit Sicherheit in den
ersten zwei Jahrzehnten der Fall war, dann darf doch wohl nicht einfach der Schluss gezogen werden, ein noch nicht 30 Jahre altes Gebäude, das eine gute
Bausubstanz hat, einfach abzureißen. Die Verantwortung für den heutigen Zustand liegt eindeutig bei denen, die per Amt oder Mandat verpflichtet sind, das
Vermögen der Bürger verantwortungsvoll zu verwalten. Im vorliegenden Fall sind die Verantwortlichen ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen.

Das erste und naheliegende Ziel muss doch sein, so wie jeder vernünftige Bürger oder Unternehmer mit seinem Eigentum umgehen  würde, zielstrebig
die Situation zu
verbessern und die Einrichtung ihrer eigentlichen Nutzung wieder zuzuführen. Wie einfach macht man es sich, wenn man eigene
Versäumnisse und Fehler damit korrigieren will, indem man alles abreißt.

So unlogisch das Verhalten der Verantwortlichen auch wirkt, man wird in diesem Zusammenhang den Eindruck nicht los, dass jetzt für bestimmte
Prestigeprojekte in allen Bereichen Mittel freigestellt werden müssen, und darunter soll augenscheinlich auch das Sandhäuschen fallen.

Wir, die Mitglieder der Bürgeraktion, fordern daher, dass nun entschlossen und zielstrebig Beschlüsse gefasst werden, die eine
Wiederbelebung des Sandhäuschens in seiner bisherigen und 1970/1973 von allen beteiligten Gremien gewollten und beschlossenen Funktion
beinhalten
. Wir sind der Auffassung, dass das Sandhäuschen als Kommunikationszentrum für Laurensberg erhalten bleiben muß.  Es ist jetzt
positives Denken gefordert und angebracht
.

Bei den anstehenden Beschlüssen, die eine Neuverpachtung oder sinnvollen Verkauf mit der Auflage der Beibehaltung der bisherigen Nutzung, zum Ziel
haben müssen, dürfen nicht nur die  sonst üblichen Parameter zugrunde gelegt werden, sondern  der durch die Fehler in den vergangenen Jahren eingetretene
Werteverlust muss eine angemessene Berücksichtigung finden.

Wir wissen uns in dieser Frage mit vielen Bürgern Laurensbergs, weitaus mehr als es die 1250 Unterschriften zum Ausdruck bringen, einer Meinung. Ohne
große Anstrengungen oder Öffentlichkeitsarbeit haben wir eine Vielzahl von Unterschriften, nicht nur Laurensberger Einwohner, sondern auch über die
Bezirksgrenzen hinaus erhalten, mit denen diese Bürger sich mit unserer Meinung identisch zeigen.

Für die Laurensberger Bürger hat der Name Sandhäuschen auch eine besondere gefühlsmäßige Bedeutung, die sich aus der historischen Entwicklung
herleitet. So ist z. B. die Nutzung des bereits 1842 urkundlich erwähnten Sandhäuschens durch den ältesten Laurensberger Verein, die St. Laurentius-
Schützen, schon seit mindestens 1878 nachgewiesen. Darauf hatten wir bereits in unserem Schreiben von 14.06.2005 aufmerksam gemacht. Wir werden
demnächst eine entsprechende Dokumentation vorlegen.

Zum Schluss möchten wir auch noch darauf aufmerksam machen, dass die verständlichen Interessen der Elternschaft des Kindergartens von uns
unterstützt werden, wie diese sich auch mit unseren Zielen solidarisch erklärt. Es ist erstaunlich, dass zu dieser Frage von der Verwaltung noch keine Meinung
bekannt ist. Die Unsicherheit der Eltern ist inzwischen sehr groß geworden. Über die Zukunft der Einrichtung  herrscht große Ungewissheit.

Es wird Ihnen bekannt sein, dass diese Elternschaft ihr Anliegen mit dem Jugendamt bespricht.

Wir möchten Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, und die Ratsvertreter dringend bitten, sich mit allen Kräften für den Erhalt des Sandhäuschens
einzusetzen. Das Sandhäuschen ist seit mehr als 150 Jahren ein Stück Laurensberg. Für den Erhalt muss die Stadt das notwendige Engagement und Geld
aufbringen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Werner Kasig, Dr. Hermann-V. Johnen, Walter Lennartz , Clemens Gläßer